Zum Tode von Ralph Waite

 

Die Welt ist ein Stückchen ärmer geworden. Wir alle haben mit Ralph Waite einen Menschen verloren, der für so viele von uns, überall auf dieser Welt, ein persönliches Vorbild war. Ein Mensch, der durch die Verkörperung einer einzigen Rolle, nämlich die des John Walton, anderen Menschen den Anstoß gab, ihr Leben zu überdenken und ihm eine neue Richtung zu geben.  

John Walton war ein geradliniger, ehrlicher Mensch, ein fürsorglicher Vater, ein liebender Ehemann und Sohn. Ein guter Nachbar. Ein Freund.

Als Ralph Waite diese Rolle annahm, die die Rolle seines Lebens werden sollte, verlief sein eigenes Leben in ganz anderen Bahnen. 1928 im Staat New York geboren, arbeitete er nach erfolgreichem Studiumsabschluß des Bachelor of Arts zunächst als Sozialarbeiter, später als Pastor in der Presbyterian Church, die er Jahre später frustriert verließ. Per Zufall entdeckte er seine Liebe für das Theater und Schauspiel nachdem er mit einem Freund eine Probestunde an einer Schauspielschule nahm. Da war Ralph Waite bereits über 30 Jahre alt, verheiratet und Vater dreier Töchter. Dank vieler Nebenjobs konnte er nun seiner wahren Leidenschaft nachgehen und langsam machte er sich einen Namen in der Branche. 1964 traf ihn dann ein schwerer Schicksalschlag, seine älteste Tochter Sharon verstarb im Alter von nur neun Jahren an Leukämie. Zwei Jahre später (1966) wurde seine Ehe nach 15 Jahren geschieden. Ralph Waite wagte einen Neuanfang in Los Angeles an der Westküste der USA. Seine beiden kleinen Töchter blieben bei der  Mutter in New York zurück.

Bereits in frühen Jahren war Ralph Waite dem Alkohol zugetan, was durch den Tod der Tochter und der gescheiterten Ehe sicherlich noch verstärkt wurde. Und doch ging es mit seiner Karriere steil bergauf. 1971 dann kam das Angebot für die Rolle des John Walton,  Familienoberhaupt einer einfachen Großfamilie im ländlichen Virgina in den 30er-Jahren. Die Serie schlug ein wie eine Bombe. Innerhalb kürzester Zeit waren Die Waltons die TV-Lieblinge des amerikanischen Publikums und etwas später dann auch weltweit. Ralph Waite genoß diese Zeit, er feierte gerne und trank regelmäßig viel Alkohol. In späteren Jahren bezeichnete er sich zum damaligen Zeitpunkt als Alkoholiker, der nicht mehr ohne auskommen konnte, geschweige denn drehen konnte. Doch die Rolle des liebevollen, fürsorglichen und verantwortungsvollen John Walton blieb nicht ohne Wirkung auf ihn.

Es war diese eine Szene, die die Kehrtwende im Leben des Ralph Waite brachte. Die Filmszene stammt aus der Episode Der Ausreisser (Staffel 1). Im strömenden Regen verabschiedet sich die Familie von Elizabeths kleinem Freund, einem Waschbären, der gestorben war. Elizabeth ist untröstlich über den Verlust. John versucht sie zu trösten, aber Elizabeth wirft ihm vor, dass er dem Waschbären hätte helfen können, wenn er nur gewollt hätte und sich Zeit für ihn genommen hätte. Dann läuft sie schluchzend davon.

Anlässlich des Waltonfantreffens 2012 zum 40. Jahrestag in Los Angeles sprach Ralph Waite über diesen Moment. Er erzählte, wie er nach Beendigung dieser Szene abends nach Hause fuhr und an seine beiden Töchter in New York dachte, an sein Leben, die Partys, der Alkohol. Und er beschloss, sein Leben radikal zu ändern. Er schloß sich den Anonymen Alkoholikern an und ihm gelang so erfolgreich und dauerhaft der Ausstieg aus der Alkoholsucht.
1975 begründete er das Los Angeles Actors Theater, das er zu einem großen Teil mit eigenen Mitteln finanzierte. 1978 erhielt er für seine großartige Darstellung des John Walton eine Emmy-Nominierung.

Ralph Waite war ein wunderbarer Schauspieler, der auf eine jahrzehntelange, eindrucksvolle Karriere zurückblicken konnte. In den letzten Jahren war er sehr erfolgreich als Gibbs Vater in der TV-Serie Navy CIS zu sehen, für die er bis zuletzt regelmäßig vor der Kamera stand.

Ralph Waite war auch ein sehr politischer Mensch und engagierte sich für die Demokraten.

Im Alter fand er seinen Weg zurück zur Kirche. 2010 wurde er Pastor in der heimischen Kirchen-gemeinde Spirit of the Desert Presbyterian Fellowship in Palm Desert und hielt dort regelmäßig den Gottesdienst ab.

Seit Mitte der 80er-Jahre lebte Ralph Waite mit seiner dritten Frau Linda, die er 1982 heiratete, in Palm Desert. Dort ist er nun am 13. Februar 2014 völlig überraschend in seinem Haus friedlich verstorben. Er wurde 85 Jahre alt. Ralph hinterlasst seine Frau Linda, seine beiden Töchter Kathleen und Suzanne und seinen Adoptivsohn Liam.

Manfred und ich hatten das große Glück, Ralph Waite persönlich kennenzulernen. Gerne denken wir an diese Begegnung im Jahr 2012 in Los Angeles zurück. Der Walton Fan Club  feierte den 40. Jahrestag der Serie und unzählige Darsteller hatten ihr Kommen zugesagt, so auch Ralph Waite. An diesem Abend waren sie dann alle da, nur Ralph Waite ließ noch auf sich warten. Meine Angst, er sei verhindert, wurde mit jeder Minute größer. Als er dann schließlich lachend in der Tür stand, im feinen Anzug mit blauem Hemd, mit den immer noch strahlend blauen Augen, schossen mir vor Glück und Erleichterung die Tränen in die Augen. Ich saß nur wenige Meter entfernt von ihm an meinem Tisch. Es dauerte, bis ich mich wieder in der Gewalt hatte, aber als Ralph dann an unserem Tisch stand, war wieder alles gut. Ralph Waite und sein Sohn Liam waren an diesem Abend unsere Tischnachbarn, was für uns eine große Ehre war und in ewiger Erinnerung bleiben wird. Am Ende des Abends fasste ich meinen Mut zusammen und fragte Ralph, ob ich ihn einmal umarmen dürfte. Er lachte und sagte, ja natürlich und dann umarmte er mich. Dies sind Momente, die unbeschreiblich sind.

Ralph Waite war der „Daddy“  für unzählige Menschen weltweit. Menschen, die nicht das Glück hatten, in einer liebenden Familie groß zu werden, Menschen, die in schwierigen Verhältnissen lebten oder gar ohne Eltern aufwachsen mußten. Er war sich dieser Rolle sehr bewußt und er gab die Liebe, die ihm das Publikum, seine Fans entgegenbrachte, mit großer Dankbarkeit und Freude wieder zurück.

Wir werden uns immer mit einem Lächeln an Dich erinnern, Ralph !

Good Night, Daddy Walton !

   

  
       

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