In liebevoller Erinnerung an Earl Hamner

10. Juli 1923 - 24. März 2016
  
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Dieser Bericht wurde am 28.02.2010 von Carola aus Berlin in unser Gästebuch eingetragen! :
 

Wir waren 1997 in Waltons Mountain, hier ein Auszug dieser Ostküstenreise:

Do. 11. September
Als das Land flacher wird, die Wälder verschwinden und sich ein Einkaufszentrum an das nächste reiht, haben wir Charlottesville erreicht. Wer kennt C. nicht?.
Uns allen bestens vertraut, als die nächste Großstadt der in aller Abgeschiedenheit lebenden reizenden Großfamilie WALTON, aus Walton’s Mountain. Der Traum Elizabeth’s war es, wenn sie erwachsen sein würde, dort zu leben...
Und ehrlich gesagt, bin ich auch bloß hier um diesen Traum Elizabeth’s in der Realität zu sehen. Na ja, mit dem wie es bei den Waltons war hat das heutige C. nicht mehr viel zu tun. Es ist immer noch Universitätsstadt, und hat sich in seinem Altstadtkern völlig erhalten, so daß es hier wohl noch so aussieht wie zu Zeiten John-Boys.
Im Hotel ist unter der Gästeinformation, was es hier Interessantes zu sehen gäbe, auch Walton’s Mountain, das eigentlich der Ort Schuyler ist, erwähnt. Wir werden Morgen nach dem Frühstück auf dem beschriebenem etwas umständlichen Weg dorthin fahren. Schließlich bin ich nur deshalb in Virginia um Walton’s Mountain zu sehen.
Wir fahren der Wegbeschreibung nach, und finden tatsächlich die aufgeführten Straßen, obwohl sie auf der Karte nicht alle eingezeichnet sind.
Herrliche abgelegene Häuser, kleine Flüsse - wir durchqueren ganze Landschaften. Wälder, beinahe so wild und urtümlich wie der Tasmanische Regenwald. Es duftet nach Natur, reiner Luft und frischem Grün. Kilometer um Kilometer schlängeln und kurven wir durch Virginias Urwald. Hier also hat der Earl seine Kindheit verbracht, diesen Weg ist er als junger Mann zur Uni nach C. gefahren, und hat später John-Boy das alles an seiner statt noch einmal erleben lassen. Die Namen auf den Hinweisschildern, Scottsville, Rockfish, Richmond sind beinahe so vertraut wie die U-Bahnstationen daheim.
Ein verlassenes und fast vor dem Zusammenbruch befindliches Ladengeschäft erinnert verdammt an Ike Godseys * Gemischtwarenhandel. Es wäre auch gar nicht verwunderlich wenn Elizabeth und John Boy schwätzend und strahlend um die Ecke kämen, oder wenn Olivia Walton mit einem großen Krug ihrer berühmten selbstgemachten Limonade vor uns stünde. Irgendwie erwarte ich, das so etwas passiert.
Ich bin zu viel im Westen der USA gewesen, und zu sehr dem Walt Disney Syndrom unterlegen.
Nichts von alledem passiert; kein Hupen John-Boys altem Autos , kein Klappern des uralten Kleinlastwagens John Waltons, kein knarrendes Gelächter Großvaters, keine fröhliche Kinderschar, die nach der Schule dem Elternhaus zustrebt. Natürlich nicht.
Dann kommt das kleine braune Hinweisschild mit dem Pfeil nach links: „Walton’s Mountain Museum“.
Der verbliebene Rest eines alten Brückenpfeilers, über und über bewuchert und vom Urwald fast verschlungen, gibt uns die Straße frei auf die letzten Meilen nach Walton’s Mountain. Was auch immer Earl jr. geschrieben haben mag im amerikanischem Original, die Regie der Fernsehserie hat es umzusetzen verstanden. Und nicht nur das. Hier ist auch der Einklang zwischen Mensch und Natur vermittelt worden, und die Realität des Jahres 1997, hier am Ort des tatsächlich gelebten Lebens des Earls beweist, wie gut diese Serie wirklich gemacht war.
Wenige Tage später werde ich meine Meinung im Fernsehen bestätigt finden. Denn zum Anlaß des 25jährigen Jubiläums dieser Serie, wird sie noch einmal komplett von der ersten bis zur letzten Folge wiederholt werden. Ab dem 6. Oktober. Mit Interviews und Geschichten der Hauptdarsteller. Ein Jammer, daß ich keine Gelegenheit zum Wiedersehen habe.
Aber jetzt erreichen wir die Kreuzung Rockfish Drive, und Schuyler, dem Geburtsort des Buchautors. Das Museum ist in der alten Schule untergebracht, die von außen gar nicht alt aussieht. Immerhin soll der Eintritt Fünf Dollar kosten, bei zwei Personen sind das schon Zehn, und somit garantiert zuviel. Wir stecken mal eben die Nase durch die Tür. Die Aula, oder Turnhalle der Schule ist sozusagen Ausstellungsraum zugleich. Uns strömt muffiger trockener Pappgeruch entgegen. Ein paar alte Vitrinen mit uralten Pappmodellen der alten Schule stehen hier. An der Wand Plakate aus den dreißiger und vierziger Jahren. Patriotismus pur wird von ihnen verkündet.
Nein, Lady, wir möchten nicht hereinkommen. Danke, uns genügt was wir durch die offene Tür gesehen haben.
Vermutlich verdienen sich die alten Damen somit ein kleines Taschengeld und bessern die Gemeindekasse auf. Auf dem Parkplatz vor der Schule stehen einige schwere Maschinen mit Kennzeichen aus OHIO, offensichtlich Fans so wie ich, die vermutlich in dem Papploch verschwunden sind, und staunend und ungläubig; wie es nur Amerikaner sein können, die Geschichten auf den verblichenen Hinweisschildern lesen.
Auf dem Nachbargrundstück werden die überall gegenwärtigen und ach so beliebten T-Shirts, und Baseballcaps verkauft, und man wirbt mit hausgemachtem Kaffee und Gebäck. Als erfahrene USA-Touristen können wir dem vollends widerstehen.
Es nieselt und ist etwas frisch, der berühmte Walton’s Mountain, da wo man ihn sich vorstellen könnte und möchte, ist Wolkenverhangen.
Ein paar Meter den Anstieg der Straße hinauf gibt es nach riesiger Vorankündigung einen wirklich häßlichen Schnellimbiß Namens „ Ike Godseys“. Also nein, das hat Ike wirklich nicht verdient.
Dann doch lieber die Disneyversion von Walton‘s Mountain, bitte.
Das hier ist trostlos und lebt, wenn überhaupt, nur durch die Phantasie und die Erinnerung an die Fernsehbilder.
Der einzige Kunde im mit billigem Souvenirtand vollgestopftem Laden ist der Milchfahrer. Und der wird uns mit seinem Truck die nächsten 15 Meilen begleiten zur 29, Süd.

   

  
       

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