Eine Waltons Familientragödie

  von Eric Scott

 

     Eric Scott mit Tochter Ashley

 


Eine werdende Mutter bekommt eine niederschmetternde Diagnose: Leukämie

"Ich bin so begeistert, Papa zu sein", sagt Eric Scott, der den rothaarigen Sohn Ben aus der CBS-Serie The Waltons (1972-1981) spielte. Aber in seiner Stimme klingt in diesem Moment viel mehr Traurigkeit als Freude mit. Scott, 34 Jahre, jetzt Vizepräsident von Chase Kurierdienst in North Hollywood, ist der Vater der 3 Monate alten Ashley Elizabeth. Aber er ist auch ein Witwer. Seine Frau, Theresa, starb am 5. November im Alter von 33 Jahren, zwei Tage nach der Geburt der Tochter. Im achten Monat der Schwangerschaft wurde bei Theresa, einer Krankenschwester, akute myelomonozytäre Leukämie festgestellt, eine besonders agressive Form der Krankheit. Die Produktion der weißen Blutkörperchen läuft auf Hochtouren und es werden Giftstoffe produziert, die die Lunge und andere Organe angreifen. Von den Patienten, die an dieser Form der Leukämie leiden, sind nach Ablauf von 5 Jahren nur noch 10 Prozent am Leben.

Eric Scott traf Theresa Fargo zum ersten Mal im Jahr 1975 in El Camino High in Los Angeles. Erst 1987 trafen sie sich auf einer Party wieder und lernten sich näher kennen. Eric Scott war bereit für das Glück: als Ex-Waltons-Mitglied hatte er gerade emotionale Rückschlägen, typisch für einen ehemaligen Kinderstar, erlebt und eine kurze erste Ehe mit einer Schauspielerin, welche nur ein Jahr dauerte. Er und Theresa heirateten am 9. September 1989.

Kürzlich, nur wenige Wochen nach der Beerdigung von Theresa, saß Scott, immer noch betäubt vor Trauer, im Wohnzimmer seines Drei-Zimmer-Hauses in Moorpark, Kalifornien, und sprach mit Korrespondentin Doris Speck über den Tod von Theresa und der Geburt von Elizabeth Ashley.

Wenn Du die richtige Person findest, ist es egal, was man zusammen tut. Ich liebte Theresas Sinn für Humor. Wir konnten stundenlang zusammen lachen. Und sie hatte einen großartigen Sinn für Liebe und Pflege. Sie kümmerte sich um ihre Patienten und diese kümmerten sich um sie. Als sie erfuhren, war Theresa ein Kind erwartet, begannen sie, ihr kleine handgestrickte Babyschuhe zu schenken.

Wir wollten drei Kinder, immer zwei Jahre auseinander. Ein Junge und ein Mädchen zuerst. Das dritte wäre dann egal gewesen. Wir planten sofort eine Familie und so waren wir total begeistert, als wir von Theresas Schwangerschaft erfuhren. Es gab eine Ultraschalluntersuchung nach den ersten zwei Monaten, und es war unglaublich. Alles, was man zu diesem Zeitpunkt sehen konnte, war der kleine Herzschlag. Wir wählten den Namen Ashley Elizabeth, weil wir bereits wussten, dass es ein Mädchen sein würde.

Alles war wunderbar. Wir haben zusammen einen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Wir schmückten das Babyzimmer. Ich brachte Tapeten an, und wir kauften ein weißes Kinderbett und hingen ein kleines Musikmobile darüber.

Theresa hatte keine gesundheitlichen Probleme. Sie nahm die üblichen Vitamine und ging regelmäßig zum Arzt. Die Geburt sollte zwischen dem  1. und 7. Dezember sein. Im 7. Monat bekam sie einen Auschlag auf der Brust. Der Arzt gab ihr ein paar Salben. Der Ausschlag blieb, aber wir haben uns nichts dabei gedacht. Wir hatten gelesen, dass dies eine häufige Erkrankung in der Schwangerschaft war. Später wußte ich, dass dies eventuell ein Warnzeichen war. Sie hatte auch eine Woche lang Probleme beim Atmen, aber wir dachten, das Baby würde auf ihr Zwerchfell drücken. Ein weiteres häufiges Problem während der Schwangerschaft.

Am Freitag, dem 30. Oktober, als Theresa in der 35. Schwangerschaftswoche war, wachte sie auf und sagte, dass sie sich nicht gut fühlte und sie Ohrenschmerzen hatte. Wir hatten etwas Medizin zu Hause, aber über das Wochenende wurde es schlimmer: Husten, Schmerzen, extreme Müdigkeit. Am Montag, fühlte sie sich schrecklich. Der Arzt untersuchte sie und war nicht zufrieden mit dem was er hörte. Er bat Theresa in das nahe gelegene Los Rubel Krankenhaus zu gehen, um dort einige Bluttests durchführen zu lassen. Ab dem Zeitpunkt hat sich unser Leben verändert.

Wir haben das Krankenhaus um 5:30 Uhr am Nachmittag des 2. November, einem Montag betreten. Drei Stunden später waren die Ergebnisse da. Theresa hatte akute myelomonozytäre Leukämie. Ihr Knochenmark war ebenfalls betroffen.

Meine erste Reaktion war, ich habe eine sehr kranke Frau und wir werden das gemeinsam schaffen. Keiner von uns dachte, sie würde sich nicht mehr davon erholen. Niemand hat mir jemals gesagt das dies eine tödliche Krankheit sei. Sie sagten mir nur, dass Theresa für vier Wochen im Krankenhaus bleiben müsse. Selbst als sie an ein Beatmungsgerät angeschlossen wurde, sagte man uns, es wäre eine vorübergehende Hilfe, um sie in der Atmung zu unterstützen.

Die Ärzte sagten, die Krankheit würde nicht über die Plazenta in den Blutkreislauf des Babys übergehen, was unsere große Sorge gewesen war. Und die Schwangerschaft selbst hatte nichts mit der Leukämie zu tun, obwohl die Ärzte denken, dass Theresa sie während der Schwangerschaft bekommen hat, ca. vier bis sechs Wochen, bevor die Krankheit festgestellt wurde. Die Ärzte sagten, es sei sehr, sehr selten für eine schwangere Frau AML zu bekommen.

Wir wurden sofort mit einer starken Chemotherapie für die nächsten 7 bis 9 Tage konfrontiert. Auch war eine Knochenmarkstransplantation ein notwendiger Bestandteil der Behandlung. Glücklicherweise war Theresa die jüngste von drei Brüdern und einer Schwester, deren Blutgruppe vielleicht übereinstimmen könnten.

Wir dachten, wir könnten zunächst mit der Chemo beginnen und wir hofften, das Baby würde es bis zum Ende der Schwangerschaft durchhalten. Doch aufgrund der Tests, die immer wieder gemacht wurden, mußten die Ärzte eine agressivere Chemotherapie anwenden, die dem Fötus geschadet hätte. So wurde unser Baby am Dienstag, 3. November um 6:30 Uhr am Abend per Kaiserschnitt geboren, einen Monat zu früh. Unsere Familien waren mit uns: Theresa Eltern, ihre Schwester und zwei ihrer Brüder, meine Mutter und mein Stiefvater, mein Bruder Alan.

Theresa hat die Operation mit Bravour bestanden. Sechs Stunden später begann die Chemo. Der nächste Tag war wunderbar, bis etwa 4 Uhr nachmittags. Ab diesem Zeitpunkt wurde Theresa immer schwächer, war weniger wach. Ich war so deprimiert und ängstlich. Die Ärzte sagten mir, sie wäre sehr krank, aber ich hatte nicht gedacht, dass es so schlimm sein würde.

Von 09.00 Uhr am Donnerstag morgen sagten uns die Ärzte, dass sie ihr Leben nicht werden retten können. Theresa war bei Bewusstsein, konnte aber nicht sprechen, weil sie an ein Beatmungsgerät angeschlossen war. Sie wusste definitiv, dass ich bei ihr war. Sie wollte das Baby sehen, und da realisierte ich, dass sie wußte, wie krank sie war. Sie starb am 10.40 Uhr.

Sie hat ihr Baby nie sehen können. Ich habe ihr Fotos gezeigt, aber das waren alles, was sie sehen konnte.

Ich konnte nicht glauben, dass sie weg war. Ich stand unter Schock. Ich war überwältigt. Ich weinte.

Wir begruben Theresa am Montag, 9. November auf einem Friedhof nicht weit von unserem Haus. Ashley und ich zogen für die ersten paar Monate zu Theresa Eltern, Bettye und Chuck Fargo. Theresa Tante Jean Johnson kam aus Montana zu uns am Samstag nachdem Theresa starb. Wir werden diesen Monat wieder zurück in mein Haus ziehen und Jean bleibt bis Mai bei uns und kümmert sich um das Baby. Dann werde ich vielleicht eine Regelung mit einem anderen Verwandten treffen können. Ich habe wieder begonnen, in Teilzeit zu arbeiten.

Ashley geht es gut. Sie war 5 lbs. 5 Unzen schwer ( ungefähr 2,4 kg ), als sie geboren wurde, und jetzt ist sie in etwa 8 lbs. 8 Unzen schwer ( ungefähr 3,8 kg ). Wir hofften, sie würde eine Erdbeer-Blondine werden, denn ich bin rothaarig, und die Masse dunkler Haare, mit denen sie geboren wurde, beginnt heller zu werden. Ihre Wimpern sind rot. Ich habe sie zum ersten Mal gebadet und alles scheint ziemlich normal zu sein. Ich werde der beste Papa auf der ganzen Welt sein.

Ich versuche mir jegliche Unterstützung zu holen, die ich finden kann. Ich spreche mit jedem, der mir helfen kann, mit dem Verlust umzugehen. Da Theresa katholisch war und ich bin Jude bin, habe ich mit Priestern und mit Rabbinern sowie Beratern gesprochen. Und ich besuche zwei Selbsthilfe-Gruppen für Trauernde, eine gehört zu einer Synagoge und eine weitere in einer Kirche. Jede von ihnen gibt mir Trost und Hilfe. Darüber reden und anderen zuhören, die ähnliches erlebt haben – beides hilft.

Freunde haben einen Ausbildungsfonds für Ashley eingerichtet, und das ist tröstlich. (Beiträge für den  Ashley Elizabeth Scott Trust können hier vorgenommen werden:. Shiney, Fargo & Salcedo, 15315 Magnolia Boulevard, # 128, Sherman Oaks, Kalifornien 91403). Ich habe von allen Mitgliedern der Waltons gehört. All diejenigen, die in der Stadt waren, kamen zum Begräbnis - Michael Learned (Olivia, der Mutter), Jon Walmsley (Jason), Mary McDonough (Erin), David Harper (Jim-Bob) und Mary Jackson (Nachbarin Emily Baldwin).

Nun, da der Schock über Theresa Tod abgeklungen ist, so scheint es, ist der Schmerz noch größer ist. Zuerst fühlte es sich an, als ob Dir ein Messer 24 Stunden am Tag in Dein Herz sticht. Jetzt kommt es in Wellen, dann verschwindet es wieder. Aber Tatsache ist, Theresa ist gegangen. Ich habe den Menschen verloren, mit dem ich jeden Abend so gut sprechen konnte und die mich so froh hat aufwachen lassen am nächsten  Morgen.

Aber ich habe ein kleines Baby, das mich ansieht und mich an Theresa erinnert. Ich hoffe, Ashley sieht aus wie sie. Ich wünsche mir, dass das Baby so viel wie möglich von Theresa in sich hat. Und ich denke, so wird es sein.

Dieser sehr zu Herzen gehende Bericht von Eric Scott erschien am 01. Februar 1993 im People Magazine. Dort sprach er erstmals über seine persönliche Tragödie.

 

Die Veröffentlichung der Geschichte und des Fotos mit Tochter Ashley erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Eric Scott. Vielen Dank hierfür, Eric !!!

 

Eric Scott in 2012

 

   

  
       

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